Im Dämmerlicht

29.03.14, 10:06:36 by ELsa-Rieger

Im Dämmerlicht

des Morgens
wenn die Amsel tönt
noch Nebel über Gräsern liegt
reichen Worte mir die Hand

Sie wiegen sich im zarten Tanz der Verse
bis sie im Reim gebunden
ihren Strophen Glanz verleihen

Doch nachts im Wachsgeknister
unterm Kerzenlicht finden sich andre Worte ein
sie brennen, wüten, trauern auf den Blättern
über Vergangenes und sammeln sich zum Schrei

Elsa Rieger

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Auf Kur von Hans-Dieter Heun

19.01.14, 13:44:45 by ELsa-Rieger

Eine skurrile Geschichte eines empfehlenswerten Autors, gelesen von Elsa Rieger

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Arbogasts Heimkehr von Ritch Funke

13.11.11, 11:02:05 by ELsa-Rieger

Mutter!, rief Svenje zur Tür herein,
sein Heer schlug sich wacker - so soll es sein!
ich stand am Dorfplatz, vernahm das Wort,
der Vater war siegreich in Aarhus' Hort.

Lindbrun, die Mutter, trat vor das Haus.
Man sah ihn schon fern von Ringsdorf aus.
Wann wird er kommen, der große Held?
Er ritt wie der Wind, als kost' es die Welt.

Schick deinen Bruder, den Kjeld, ihm entgegen
Er soll dem Vater die Wunden pflegen.
Den Kjeld, den Stummen? Ach Mutter, bitte!
Wär' es nicht besser, wenn ich zu ihm ritte?

Kjeld schnürte die Stiefel, sie waren zu groß
Doch es fehlten zur Kappe zwei Finger bloß
Heut wurd' er zum Manne und war ohne Rast
Er war der Jüngste des Kriegers Arbogast.

Lindbrun winkte zum Abschied dem Kleinen
Von weitem noch sah er die Mutter weinen.
Er trieb sein Ross und schaute nach Norden
Bald war auch er Teil Arbogasts Horden.

Die Nacht brach herein und schwärzte den Pfad
Nichts schien mehr gleich - weder Ähren noch Saat
Der Wald verschluckte den Reiter bald
Doch Arbogast eilte ohne Furcht und Halt.

Anders sein Sohn, der von Bäumen umringt
Alsbald kein fröhlich Lied mehr des Mutes singt
Vater, ach Vater, wärest Du hier.
Dachte Kjeld stumm - dann hülfest du mir.

Arbogast stutzte, vernahm einen Laut
Im Unterholz war eine dunkle Gestalt aufgebaut.
Sein Ross war riesig und versperrte die Sicht
Stand mächtig gebäumt vor des Mondes Licht.

Tretet zur Seite, sonst zieh ich mein Schwert!
Heim, Frau und Kinder sind es mir wert.
Sprich, wer seid ihr, oder eilet baldigst hinfort
Sonst streckt euch mein Stahl an diesem schwarzen Ort.

Der Fremde blieb dennoch im Wege stehen
Arbogast dachte, eine Klinge zu sehen
Der Held stob hervor, die Rechte gereckt
Ein Streich - dann war der Gegner gestreckt.

Doch abends am Feuer besann er sich
vieles stimmte ihn nachdenklich
Lindbrun reichte ihm Speise und Trank
Während draußen der Sturm mit dem Regen rang.

Doch sagt, Manne, sagt mir, ich könnt hoffen
Habt ihr nicht Kjeld, unsern Jüngsten, getroffen?
Er wollt euch voll Stolz entgegeneilen
Um eure Kampfeswunden zu heilen.

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wie du doch lieben kannst

19.05.11, 13:01:12 by ELsa-Rieger

das weitet mir die augen
und den geist auch verborgner
schmerz flutet übers brustbein

trag so hohe mauern rund
herum greifst du mich an weichst
warmbehautet auf

räumst stein um stein beiseite
bis ich die arme öffnend vor dir steh
mit meinen heißen tränen

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hungrig

05.03.11, 11:58:37 by ELsa-Rieger

bist einem windspiel gleich
das lachen perlmuttklang
ich säume liebentlang
das schimmern deiner haut
feiner als seide aus china

will dich nur zart berühren doch
fährt mir schon der wind hinein
und meine hand greift leere

von der zeit und von dem hunger
nach dir entkernt schaue ich zu
dem tanz auf vielen partys
die deine spiegel sind und weiß
es wird der krug zerschellen

noch siehst im wald vor bäumen du
nicht wie die seidenhaut ermattet
und wie dein lachen brüchig klirrt

aber die berge, die see
sagst du nun denn
ich geh ja ich geh


(c) ELsa Rieger
Musik: Mendelssohn, Gondellied
Textzeile "ich säume liebentlang" von Else Lasker-Schüler

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