Für jeden Toten ein Glas Wein - Manfred Dechert

02.11.14, 09:27:59 by ELsa-Rieger

Ich trinke einen Wein
obwohl ich selten trinke ich
mir die Toten zurück musst Du
nicht wenn ich trinke mein Qualtinger
Ich trinke und merke den Wein mein
Stolz zum Tanzen zum Heurigen schunkeln
mit Moser ich trinke Euch zurück

Ich trinke heute gerne Wein
selten allein seltener mit großen Toten
so leicht in der Gräberstuben keine Angst
ich trinke den dritten vierten da schau
der Danzer den fünften im Fiaker den
sechsten mich tottrinken kann ich heute
nicht heim Gräberstuben Gräberstuben
wer will da heim daheim mein Qualtinger
spielt liest in den Gräberstuben

Ich trinke nimmer Wein denn mein Kopf
mein Stolz zum Weinen bringen sie nicht
die Lebtoten mit ihrer Sperrstund
Solang ich trink ist ein Leben in den Stuben
solang ich nicht fall schmeckt der Wein
solang ich den Toten lebend trink
ist niemand mehr fad in den Stubengräbern

Ich trinke einen Wein
und noch einen für meine liebste nie geliebte
Österreicherin einen für meinen nie schunkeln
nie schunkelnden Freund ich will
nicht heim sie stützen mich ich will
noch einen Wein
dann lassen sie mich allein
und fall lustig so sterb ich

So selten
drum trink für mich

von Manfred Dechert - gelesen von Elsa Rieger

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ausbreiten in mir entrinnen - Hörprobe aus dem Hörbuch

29.10.14, 16:51:40 by ELsa-Rieger

ausbreiten in mir
entrinnen

ja, das will ich tun
ausbreiten in mir
mauern sprengen, kerker
oh ja, das will ich
verlassen und rennen, rennen
mauern sprengen, kerker verlassen
rennen, rennen

unter duftenden kiefern
in moosbetten liegen
hervor würgen würfel aus stein
unter duftenden kiefern
schwärzlich mit rasiermesserecken
gurrenden waldtauben lauschen
plätschernden quellen

fallen und liegen im moosbett
abschütteln alle pflicht
endlich nur ich, ich, ich ausatmen
endlich nur ich, ich, ich
doch schon keimt die frage:
wo bleibt dann die liebe
(verzweifelt) die liebe

so trottet mein herz zurück
trottet mein herz zurück


(c)Elsa Rieger

Das Hörbuch, eine Zusammenarbeit von Elsa Rieger und Despite Faith ist erschienen beim Verlag http://www.das-ebook24.de/Hoerbuecher/Lyrik-und-Prosa-Hoerbuch-von-Elsa-Rieger-und-Despite-Faith.html

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Im Dämmerlicht

29.03.14, 10:06:36 by ELsa-Rieger

Im Dämmerlicht

des Morgens
wenn die Amsel tönt
noch Nebel über Gräsern liegt
reichen Worte mir die Hand

Sie wiegen sich im zarten Tanz der Verse
bis sie im Reim gebunden
ihren Strophen Glanz verleihen

Doch nachts im Wachsgeknister
unterm Kerzenlicht finden sich andre Worte ein
sie brennen, wüten, trauern auf den Blättern
über Vergangenes und sammeln sich zum Schrei

Elsa Rieger

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Auf Kur von Hans-Dieter Heun

19.01.14, 13:44:45 by ELsa-Rieger

Eine skurrile Geschichte eines empfehlenswerten Autors, gelesen von Elsa Rieger

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Arbogasts Heimkehr von Ritch Funke

13.11.11, 11:02:05 by ELsa-Rieger

Mutter!, rief Svenje zur Tür herein,
sein Heer schlug sich wacker - so soll es sein!
ich stand am Dorfplatz, vernahm das Wort,
der Vater war siegreich in Aarhus' Hort.

Lindbrun, die Mutter, trat vor das Haus.
Man sah ihn schon fern von Ringsdorf aus.
Wann wird er kommen, der große Held?
Er ritt wie der Wind, als kost' es die Welt.

Schick deinen Bruder, den Kjeld, ihm entgegen
Er soll dem Vater die Wunden pflegen.
Den Kjeld, den Stummen? Ach Mutter, bitte!
Wär' es nicht besser, wenn ich zu ihm ritte?

Kjeld schnürte die Stiefel, sie waren zu groß
Doch es fehlten zur Kappe zwei Finger bloß
Heut wurd' er zum Manne und war ohne Rast
Er war der Jüngste des Kriegers Arbogast.

Lindbrun winkte zum Abschied dem Kleinen
Von weitem noch sah er die Mutter weinen.
Er trieb sein Ross und schaute nach Norden
Bald war auch er Teil Arbogasts Horden.

Die Nacht brach herein und schwärzte den Pfad
Nichts schien mehr gleich - weder Ähren noch Saat
Der Wald verschluckte den Reiter bald
Doch Arbogast eilte ohne Furcht und Halt.

Anders sein Sohn, der von Bäumen umringt
Alsbald kein fröhlich Lied mehr des Mutes singt
Vater, ach Vater, wärest Du hier.
Dachte Kjeld stumm - dann hülfest du mir.

Arbogast stutzte, vernahm einen Laut
Im Unterholz war eine dunkle Gestalt aufgebaut.
Sein Ross war riesig und versperrte die Sicht
Stand mächtig gebäumt vor des Mondes Licht.

Tretet zur Seite, sonst zieh ich mein Schwert!
Heim, Frau und Kinder sind es mir wert.
Sprich, wer seid ihr, oder eilet baldigst hinfort
Sonst streckt euch mein Stahl an diesem schwarzen Ort.

Der Fremde blieb dennoch im Wege stehen
Arbogast dachte, eine Klinge zu sehen
Der Held stob hervor, die Rechte gereckt
Ein Streich - dann war der Gegner gestreckt.

Doch abends am Feuer besann er sich
vieles stimmte ihn nachdenklich
Lindbrun reichte ihm Speise und Trank
Während draußen der Sturm mit dem Regen rang.

Doch sagt, Manne, sagt mir, ich könnt hoffen
Habt ihr nicht Kjeld, unsern Jüngsten, getroffen?
Er wollt euch voll Stolz entgegeneilen
Um eure Kampfeswunden zu heilen.

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